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Verhalten

Wer Heuschrecken beobachten möchte, sucht sie am besten an den warmen Tagen von April bis Oktober. Die besten Chancen hat man in Deutschland im August, denn dann machen die meisten Arten auch akustisch auf sich aufmerksam. Auch im September sind die Heuschrecken noch zu hören, aber dann verändert sich durch die Kälte ihr Gesang und die Arten sind schwerer zu bestimmen. Wer nicht gerade auf der Suche nach Vegetationsspezialisten ist, sollte in den Sommermonaten in Wiesen mit hohem Gras, an ungemähten Wegrändern oder innerorts auf Brachen nach den kleinen Hüpfern suchen. Wer sich dabei allerdings allzu forsch bewegt, wird wenig Glück haben und die Schrecken verschrecken. Die Sänger verstummen, wenn sie sich bedroht fühlen, lassen sich fallen, springen davon oder fliegen sogar ein Stück. Heuschrecken entwickeln beim Absprung eine Schubkraft, die tausende Mal höher als ihr eigenes Körpergewicht ist, deshalb ist es nicht ganz einfach, die Tiere dann wieder aufzuspüren.


In Ruhe beobachten lassen sich Heuschrecken in einem artgerecht ausgestatteten Terrarium, in dem sich seltene Ereignisse wie Häutung, Paarung oder Eiablage in aller Ruhe verfolgen lassen. Hier sollten freilich nur die Arten gehalten werden, die nicht unter Artenschutz stehen. Ein Besuch im Zoohandel reicht meist schon aus, um in der Abteilung für „Lebendfutter“ einige Exemplare zu erstehen. Dazu gehören mit großer Wahrscheinlichkeit Heimchen, die für Reptilien- und Spinnenhalten angeboten werden. Sie sind recht anspruchslos, sollten aber wegen ihrem lautstarken Zirpen nicht in Wohn- oder gar Schlafräumen gehalten werden. Zwei Arten der Heuschrecken sind in Groß- und Hobbyzuchten besonders häufig vertreten: die Afrikanische Wanderheuschrecke und die Gemeine Wüstenwanderheuschrecke.


In der Regel wird man die Heuschrecke aber eher in weiter Flur antreffen als in den eigenen vier Wänden. In beiden Fällen zeigt sich früher oder später das arttypische Singen der Heuschrecken. Die meisten Arten singen tagsüber, am liebsten, wenn die Sonne die Luft zum Flirren bringt. Ausnahmen sind einige Arten wie die Feldgrille, das Weinhähnchen, die unterirdisch lebende Maulwurfsgrille und das Grüne Heupferd. Sie sind auch abends und bis tief in die Nacht zu hören. Der laute Schwirrgesang des Heupferds ist an hochgrasigen Wegrändern sowie an Getreide- und Maisäckern in ganz Deutschland vertreten und oft mehr als 50 Meter weit zu hören.


Die Laute der Heuschrecken werden im Wesentlichen durch Reiben der Flügel oder der Beine erzeugt und zeigen außerordentlichen Variantenreichtum. Die Langfühlerschrecken nutzen hierzu ihre beiden Vorderflügel, die leicht angehoben und dann mit den so genannten Schrill-Leisten und –Kanten aneinander gerieben werden. Grashüpfer streichen mit einem oder beiden Hinterschenkeln über die Flügel. Die Sumpfschrecke schleudert ihre Hinterbeine nach hinten und erzeugt so einen Klicklaut, der wie Fingerschnippen klingt. Die Knarrschrecken haben eine ganz außergewöhnliche Art der Lauterzeugung gefunden: Sie reiben ihre Oberkiefer – die so genannten Mandibeln – aneinander und lassen ein relativ leises „Zähneknirschen“ hören. Die Eichenschrecke, die meist auf Bäumen lebt, trommelt mit ihren Hinterbeinen auf ein Blatt, um Weibchen anzulocken. Selbst wenn sich die Heuschreckenarten, beispielsweise bei den Grashüpfern optisch nur schwer unterschieden lassen, ihr Gesang ist in Rhythmus und Klang unverwechselbar.


Wichtig dabei ist allerdings die Körpertemperatur. Heuschrecken sind kälteempfindlicher als andere heimische Insekten und müssen sich morgens zunächst in der Sonne erwärmen. Auf der Suche nach Nahrung krabbeln sie dann durch das Gras oder das Blätterwerk. Die langfühligen Schrecken sieht man oft mit ihren langen Beinen gemächlich umher staksen und nur selten springen, die kurzfühligen Schrecken dagegen laufen meist ruckartig oder hüpfen ein kurzes Stück bis zum nächsten Halm. Die hohen und weiten Sprünge mit dem Schwung aus den kräftigen Hinterschenkeln werden vor allem auf der Flucht eingesetzt, um große Distanzen zu überwinden. Der eher seltene Flug einer Heuschrecke startet nicht wie bei einem Käfer von einem erhöhten Standort aus mit dem Anheben der Flügeldecken und Ausbreiten der Hinterflügel, sondern nach dem Absprung.

 

 
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