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Verbreitung und Lebensräume

Deutschland liegt wie alle mitteleuropäischen Länder am Rande der Verbreitungsgebiete vieler Heuschreckenarten, denn die Klimaverhältnissen sind vergleichsweise ungünstig. Heuschrecken lieben es warm oder benötigen zumindest genügend Sonne, die sie an kühleren Tagen aufheizt. Heuschrecken sind zum Teil auch recht wählerisch, sowohl was ihren Lebensraum betrifft, als auch in Bezug auf ihre Nahrung, die Eiablage und die Kinderstube der Larven.
Einige Arten leben hauptsächlich auf Bäumen, andere lieben Strauchwerk, manche bewohnen wie der Kiesbank-Grashüpfer ausschließlich die Kiesbänke der Alpenflüsse, andere bevorzugen trockene, vegetationsarme Standorte, wieder andere suchen sich grüne Feuchtwiesen oder Wälder. Ihre Spezialisierung macht sie zu idealen Indikatoren für die Veränderungen von Lebensräumen oder für die ökologische Bewertung von Landschaften. Es gibt kaum ein Lebensraum, der nicht besiedelt wird und sogar unter der Erde, in Höhlen und im Sandsteingebirge finden sich Heuschrecken- und Grillenarten.


Nicht alle Heuschreckenarten sind derart wählerisch wie diese Spezialisten und kommen stattdessen mit verschiedenen Umweltbedingungen gut zurecht. Dazu gehören beispielsweise die meisten der in Deutschland heimischen Tiere. Sie haben sich als Kulturfolger an die Wiesen, Weiden und Gärten des Menschen gewöhnt und überleben zum Teil selbst auf selten gemähten Verkehrsinseln. Das Heimchen findet man sogar dauerhaft nur in Gebäuden, weil es die Wärme braucht, im Sommer lebt es auch auf Müllhalden, im Abfall und dem Kompost. Nur wenige andere Arten sind außer dem Heimchen in Gebäuden zu finden. Dazu gehört die aus China weltweit verschleppte Gewächshausschrecke, die schon des Öfteren in botanischen Gärten und Gärtnereien auftauchte. Auch Eichenschrecken verirren sich im Sommer in Wohnungen.
Auf gut gedüngten Wiesen wird man außer dem Gemeinen Grashüpfer und einigen Weißrandigen Grashüpfern kaum Heuschrecken antreffen. Auf magerem Boden und in entsprechendem Bewuchs wie er auch auf beweideten Wiesen zu finden ist, fühlen sich wesentlich mehr Heuschreckenarten wohl. Sie sind wichtige Lebensräume. Wässerwiesen und Feuchtwiesengebiete mit häufigen Überschwemmungen beherbergen meist nur wenige Heuschrecken. Feuchte Langgraswiesen bilden mitunter die Lebensräume von Roesels Beißschrecke und der Langflügeligen Schwertschrecke.


Mager- und Trockenrasen auf Sandboden sind die bedeutendsten Heuschreckenbiotope für gefährdete Arten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke, den Schwarzfleckiger Heidegrashüpfer oder die Westliche Beißschrecke. An sonnigen Waldrändern mit trockenen Wiesen lebt der Steppengrashüpfer.
Großflächige, offene Sande und Übergang zu Silbergrasfluren sind der Lebensraum der hochgradig gefährdeten Sandschrecke sowie der Gefleckten Keulenschrecke. Die Keulenschrecke sucht Heideflächen, alte Kiesgruben oder sonnigen Waldränder. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Norden über den Polarkreis hinaus bis nach Lappland, bis nach Sibirien und Kleinasien sowie im Süden bis zum nördlichen Balkan. Allerdings sind bisweilen nur noch Inselpopulationen bekannt, so dass sie in die Liste der bedrohten Arten aufgenommen wurde.
Einige der auf Magerasen und Sande spezialisierten Arten leben notgedrungen auch auf sandige Brachäckern, die ihnen als Ausweichbiotop dienen. Den Braunen Grashüpfer, den Feldgrashüpfer und den gefährdeten Warzenbeißer kann man hier finden. Der Warzenbeißer reagiert sehr empfindlich auf Umweltveränderungen und ist in einigen Gebieten Deutschlands bereits verschwunden.


Im Gegensatz zu Streuwiesen sind großflächige Schilfgebiete für Heuschrecken relativ uninteressant. Lediglich Arten wie der Sumpfgrashüpfer, die Sumpfschrecke, die Säbeldornschrecke und die Große Goldschrecke kennzeichnen diese Flächen. Die Säbeldornschrecke stellt, weil sie sich von Moosen und Algen ernährt, außer Feuchtigkeit wenige Ansprüche an ihr Biotop, so dass man sie sowohl auf Wiesen und Heideflächen, als auch an Bachläufen und im Wald findet.




 
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