Heuschrecken als Nahrung
Den meisten Europäern stellen sich die Nackenhaare hoch, wenn
sie an das Verspeisen von Insekten denken, selbst wenn sie problemlos
Shrimps, Hummer, Muscheln, Fischeier und Schnecken als Delikatesse
genießen. Ob nun eklig oder nicht: Insekten stellen eine ausgezeichnete
Proteinquelle dar, sind reich an Mineralstoffen und vor allem cholesterin-
sowie kalorienarm, da sie wenig Fett enthalten. Grillen bestehen
beispielsweise zu 12,9 Prozent aus Eiweiß, zu 8,6 Prozent
aus Fett und zu 5,1 Prozent aus Kohlenhydraten. Außerdem haben
sie mit 75,8 mg Calcium und 9,5 mg Eisen pro 100 Gramm eine gute
Bilanz vorzuweisen, die jedes Schnitzel neidisch machen sollte.
In vielen Kulturen sind Insekten seit jeher ein beliebter Snack.
Entomophagie-Fans, also die Freunde des Insektenessens, sprechen
sogar von 80 Prozent der Weltbevölkerung, die Insekten auf
ihrem Speiseplan stehen hat. Manchmal ist der Verzehr nötig,
weil anderes Fleisch nur selten verfügbar ist, manchmal gehören
sie zu den seltenen Delikatessen, manchmal sind sie köstliche
Snacks für zwischendurch.
Auch Europa ist da keine Ausnahme und war in früheren Zeiten
ein Zentrum des Insektengenusses. So sind noch in deutschen und
französischen Zeitungen des 19. Jahrhunderts Rezepte für
Maikäfersuppe zu finden. Immer mehr Menschen trauen sich auch
wieder, Insekten zu probieren und bezahlen in Trendrestaurants viel
Geld für einen Genuss, der in anderen Teilen der Welt nichts
Besonderes ist.
Ob in der Bibel oder im Koran, die Hinweise auf Heuschrecken auf
dem Speiseplan der Menschen sind vielfältig und reichen bis
zu assyrischen Zeichnungen eines Festmahls von 700 vor Christus
zurück. Der antike Dichter Aristophanes nannte Heuschrecken
sogar das „vierflügeliges Geflügel“.
Für große Teile der Bevölkerung in Asien, Süd-
und Mittelamerika, Australien und Afrika sind Insekten auch heute
noch eine wichtige Nahrungsquelle. Die eiweißreiche Nahrung
ist vor allem unter den armen Menschen sehr beliebt und oft die
einzig verfügbare Quelle, wenn anderes Fleisch fehlt. Sie werden
gebraten oder gegrillt, im südlichen Mexiko und Guatemala mit
Schokolade übergossen oder wie in Kambodscha mit Erdnüssen
gefüllt. In Israel zählen einige Heuschrecken zu den koscheren
Lebensmitteln und auch die arabische Küche kennt Heuschrecken
als Vorspeise.
In Teilen Amerikas und Asiens werden Grashüpfer, Grillen und
andere Heuschrecken geröstet und über Salate gestreut,
zerstoßen zu Brei oder Keksen verarbeitet, oder wie bei den
Indianern getrocknet und gesalzen.
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