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Fortpflanzung

Obwohl sich Heuschrecken in ihrer individuellen Entwicklung von der Larve bis zum erwachsenen Insekt deutlich von den Abläufen bei anderen Insekten wie etwa Schmetterlingen unterscheiden, deren Nachkommen zunächst wenig Ähnlichkeit mit den Eltern zeigt, sind Balz, Paarung und Eiablage ähnlich.


Wesentlicher Bestandteil der Balz ist bei den meisten Heuschreckenarten das „Singen“, im Fachjargon „Stridulieren“. Je nach Art wird das Zirpen, Knarren oder Schrillen entweder vom Männchen benutzt, um das Weibchen auf die Paarung einzustimmen oder zur gegenseitigen Stimulierung. Die Weibchen erkennen den arteigenen Gesang und lassen sich von den Gesängen anderer Arten nicht ablenken.


Bei den meisten Heuschreckenarten singen sowohl die Männchen als auch die Weibchen. Zwischen den Partnern kommt es zu einer Reiz-Reaktionskette aus akustischen und körperlichen Signalen. Das Männchen startet zunächst seinen Gesang, bis ihm ein Weibchen in arteigenem Gesang antwortet. Das Männchen kommt nun näher und setzt seinen Gesang fort und stimuliert so schließlich das Weibchen zur Paarung. Die Gesänge sind oft nicht nur von Art zu Art, zwischen Männchen und Weibchen und auch von Situation zu Situation unterschiedlich.


Zwischen den Langfühlerschrecken und den Kurzfühlerschrecken zeigen sich deutlich Unterschiede im Paarungsverhalten, dass auf die erfolgreiche Balz folgt. Die paarungsbereiten Weibchen der Langfühlerschrecken lassen sich von Männchen und ihren Gesängen zunächst anlocken. Schließlich besteigen die Weibchen die Männchen. Je nach Art verharren die Männchen nun unter ihrer Partnerin oder sie ändern ihre Position, indem sie sich etwa nach hinten wegdrehen. Einige stellen sich sogar auf den Kopf.


Dass Männchen ergreift dann mit seinen Cerci am Hinterleib das Hinterleibende der Partnerin und sondert ein weißes, gallertartiges Samenpaket ab, das es an die weibliche Genitalöffnung klebt. Das Paar trennt sich nach wenigen Minuten wieder.
Kaum ist das Männchen verschwunden, beginnt das Weibchen die Gallerte des Samenpakets (Spermatophore) aufzufressen. Weil dies mehrere Stunden dauern kann, haben die Spermien genügend Zeit, um sich aus der Gallerte zu befreien und in die Genitalöffnung des Weibchens zu wandern. Dort befruchten sie dessen Eier.


Die Weibchen der Kurzfühlerschrecken verhalten sich viel passiver als ihre langfühligen Geschlechtsgenossinnen. Manchmal verweigern sie sich allerdings komplett und wehren das Männchen mit den Hinterbeinen ab. Sind sie dagegen paarungsbereit, signalisieren sie das recht deutlich, indem sie dem Männchen auf seine Gesänge mit eigenen Liedern und im Wechselspiel antworten. Das Männchen steigt schließlich auf das Weibchen und führt seine Hinterleibsspitze am weiblichen Hinterleib vorbei, um dessen Spitze von unten zu ergreifen. Im festen Griff – Hinterleib an Hinterleib - lässt sich das Männchen dann nach hinten auf den Rücken fallen und von der Partnerin mitschleifen. Solche Paarungen dauern mindestens 20 Minuten, mitunter sogar mehrere Stunden.
Schon wenige Tage nach der Paarung legt das Weibchen die Eier ab. Einige Arten legen die Eipakete in den Boden, andere bevorzugen rissige Baumrinde, Pflanzenstängel oder Blätter. Auch hier unterschieden sich Lang- und Kurzfühlerschrecken: Die Langfühlerschrecken beispielsweise bohren ihre lange Legeröhre in das Nest und legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen ab, die Kurzfühlerschrecken versenken ihre Hinterleibsspitze zur Eiablage im Erdreich. Die Feldheuschrecken sind wiederum eine Ausnahme: sie legen ihre Eier zum Schutz in ein schnell härtendes schaumiges Sekret. Die Eier der meisten Arten überwintern und schlüpfen erst im nächsten Frühjahr. Brutpflege kennen die meisten Heuschrecken nicht, lediglich die Maulwurfsgrille legt eine Brutkammer an. Sie bewacht die Eier und später auch die Junglarven.





 
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