Ernährung
So unterschiedlich wie die Tiere selbst sind auch die Gewohnheiten,
denen Heuschrecken beim Fressen nachgehen. Dabei sind die meisten
Arten ausgesprochen wählerisch. Die Wüstenwanderheuschrecke
beispielsweise bevorzugt krautige Pflanzen und Blätter und
verschmäht Gras, die Europäische Wanderheuschrecke dagegen
ernährt sich ausschließlich von Gräsern und entwickelte
sich wegen ihrer Vorliebe für Weizen in früheren Zeiten
zu einer Gefahr für den Getreideanbau.
Die meisten Heuschreckenarten nehmen andere Pflanzen als Gräser
nur in Ausnahmefällen zu sich. Fast alle Laubheuschrecken dagegen
sind Mischkostler, die nicht nur Pflanzen wie Löwenzahn oder
Klee fressen, sondern gerne auch kleine, panzerlose Insekten wie
Raupen und Blattläuse sowie Insektenlarven. Der Anteil tierischer
und pflanzlicher Bestandteile in der Nahrung ist je nach Art unterschiedlich
verteilt.
Eine zwei Gramm schwere Heuschrecke frisst jeden Tag pflanzliche
Nahrung in der Größenordnung ihres eigenen Gewichts.
So frisst jedes Wanderheuschrecken-Männchen im Laufe seiner
Entwicklung 30 Gramm Pflanzenmasse, um auf ein Endgewicht von rund
2 Gramm zu kommen. Weibchen benötigen 44 Gramm Nahrung für
3 Gramm Körpergewicht. Nur rund ein Zehntel der Energie, die
ihre Nahrung enthält, wandeln die Heuschrecken tatsächlich
in Körpersubstanz um, denn einen Großteil ihrer Nahrung,
vor allem die Zellulose, können sie nicht verwerten. Die Heuschreckenlarven
etwa scheiden mehr als 60 Prozent der gefressenen Pflanzenmasse
unverdaut wieder aus.
Die in Deutschland heimischen Arten sind nicht alle Vegetarier.
Nur die Kurzfühlerschrecken begnügen sich mit frischem
Gras. Unter den Langfühlerschrecken sind lediglich die Sichelschrecken
aus der Familie der Laubheuschrecken reine Pflanzenfresser; die
übrigen Laubheuschrecken und Langfühlerschrecken sind
entweder Alles- oder Fleischfresser.
Das tag- und nachtaktive Grüne Heupferd beispielsweise vertilgt
hin und wieder auch pflanzliche Nahrung, auf seinem Speiseplan steht
aber hauptsächlich tierisches Eiweiß, am liebsten in
Form von Fliegen, Raupen und Blattläusen. Die Larven des Heupferds
beschränken sich auf Blattläuse und Pflanzenteile. Anders
verhält es sich bei der Strauchschrecke: Sie ist ein Allesfresser,
die Jungtiere sind dagegen Vegetarier.
Das Heupferd fängt seine Insektenbeute oft aus dem Flug. Die
agile Heuschrecke schafft es, seine Opfer über mehrere hundert
Meter fliegend zu verfolgen. Ein erfolgreicher Räuber ist auch
die nachtaktive Eichenschrecke, die vor allem den Blattläuse
nachstellt, aber auch kleine Raupen frisst.
Die Zartschrecke ist ein typischer Kulturfolger, also ein Tier,
das dem Mensch in seinen Lebensraum nachfolgt. Sie fühlt sich
in Parks und Gärten wohl und labt sich dort als reiner Vegetarier
an Rosen-, Brombeer- und Himbeerblätter, Klee und Löwenzahn.
Da sie nie in Massen auftritt, richtet sie aber in Bäumen und
Sträuchern lediglich kaum spürbare Schäden an.
Eine der außergewöhnlichsten Schreckenarten, die Maulwurfsgrille,
lebt weitgehend unterirdisch in selbst gegrabenen Gängen. Sie
ist perfekt an das Leben unter Tage angepasst und ernährt sich
fast ausschließlich von Engerlingen, Raupen und Regenwürmern.
Da vor allem die jungen Maulwurfsgrillen auch gut schwimmen können,
zählen auch Wasserinsekten zu ihren Nahrungslieferanten.
Ein Allesfresser, der sich am liebsten von organischen Abfällen
ernährt, ist das Heimchen. Diese Tiere halten sich am liebsten
in warmen Zimmern auf und gaben so dem „Heimchen am Herd“
seinen Namen. Heimchen bevorzugen weiche, abgestorbene Pflanzenreste,
die sie auf Komposthaufen und in Mülleimern finden, leben aber
auch von Aas und anderen Insekten.
Wer Heuschrecken im heimischen Terrarium halten möchte, sollte
unbedingt auf die Nahrungsvorlieben der Arten Rücksicht nehmen.
Pflanzenfressenden Heuschrecken kann man mit den arttypischen Pflanzenarten
oder ersatzweise mit frisch gekeimten Weizen füttern. Für
die Fleischfresser unter den Heuschrecken sind kleine Raupen, mit
Blattläusen besetzte Pflanzenteile oder zerkleinerte Mehlwürmer
geeignet. Allesfressern sollte man Fleisch nicht vorenthalten, da
die darin enthaltenen Eiweiß- und Nährstoffe wichtig
für eine gute Entwicklung der Tiere sind.
Wanderheuschrecken kann man mit Weizen- und Sojakeimlingen, Heu,
Salaten oder mit frischem Gras von der Wiese füttern, wobei
natürlich darauf geachtet werden sollte, dass es nicht mit
Insektiziden belastet ist. Umgehen kann man die Gefahr, indem man
auf die BIO-Kennzeichnung des Grünzeugs achtet. Sammelt man
für seine Tiere das Futter in der freien Natur, besteht die
Möglichkeit, dass es mit Pilzen und Fadenwürmern verunreinigt
ist. Beides kann den Heuschrecken schaden. Einige Heuschreckenhalter
nutzen Trockenfutter von Hunden als Eiweißquelle für
ihre Tiere.
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